Freiwillige Feuerwehr Winkel

 

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1905 - 1914: Gründerjahre

"In der heute im Gasthause Schönwetter tagenden öffentlichen Versammlung wurde die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen", so eröffnete der damalige Schriftführer, Gemeindesekretär Hans Wagner, das erste Protokollbuch der Winkeler Freiwilligen Feuerwehr mit Datum vom 8. Oktober 1905. Unter dem Eindruck eines Großbrandes an einem heißen Sommertag, dem zwei Häuser zum Opfer fielen, wurde auf Bestreben des Gastwirtes Bernhard Schönwetter eine öffentliche Bürgerversammlung einberufen, damit solches Leid künftig abgewendet werden kann. Während dieser Versammlung wurde "zur weiteren Vorbereitung der Angelegenheit ein provisorisches Komitee" gebildet, dem Nikolaus Basting als Vorsitzender, Josef Schwarz und Peter Weidmann als Beisitzer sowie Hans Wagner als Schriftführer angehörten.

Es müssen entschlossene Menschen gewesen sein, voller Tatkraft, die nun, getragen auch von einem breiten Bürgerwillen, ihr Ziel nicht mehr aus dem Blick ließen. Bereits am 5. November 1905 fand dann im "Gasthaus zum goldenen Löwen" die Gründungsversammlung statt. 82 Mitglieder trugen sich ein, wählten den endgültigen Vorstand und beschlossen einstimmig eine Mustersatzung. Schon im Dezember traf man sich im Gasthaus Schönwetter, um das erste Kommando zu wählen. Erster Kommandant wurde Kam. Andreas Kilian, sein Stellvertreter Kam. Bernhard Albert. "Als Chef der Wehr wurde der neue Bürgermeister, Herr Hartmann, gewählt", hielt der gewissenhafte Gemeindesekretär fest, der selbst zum Adjutanten aufrückte. Kam. Christian Fetzer komplettierte den Vorstand als Kassierer, während der technische Dienst von Kam. Bernhard Schönwetter (Rettungsmannschaft), Kam. August Mohr (Steigermannschaft), Kam. Nikolaus Basting (Spritzenmannschaft), Kam. Franz Basting (Hydrantenmannschaft) und Kam. Georg Braun (Ordnungsmannschaft) geführt werden sollte.

Im Januar 1906 beschloss man dann, die "braune Joppe nach der Nassauischen Normalschrift sowie Helme der gleichen Firma" zu bestellen. Dabei wurde, wie man weiter vermerkte, über den Bezug der "Gurte und Beile kein Beschluss gefasst". Nun begann man mit der Organisation, und das Protokollbuch verzeichnet, dass man von den aktiven Mannschaften 1,20 Reichs­mark forderte. Gleichzeitig erhob man von allen nach dem 1. Januar 1906 Eintretenden 3 Reichsmark. "Vom Militär entlassene Leute sollen, sofern sie sich innerhalb vier Wochen nach der Entlassung melden", kein Eintrittsgeld zahlen müssen. Gleichzeitig engagierte man einen "Vereinsdiener", der eine jährliche Entschädigung von 12 Reichsmark erhielt. Im gleichen Jahr tauchte dann auch zum ersten Mal der Tagesordnungspunkt "Wintervergnügen" auf - ein Thema, das die Vereinsoberen niemals mehr aus dem Blick ließen. "Es wird beschlossen, das Wintervergnügen am 21.Oktober bei Hölzer abzuhalten", liest man unter dem Datum vom 1. September 1906. "Außerdem wurde mit allen gegen drei Stimmen beschlossen, eine Christbaumverlosung abzuhalten."

Im Sommer 1907 konnte dann die noch junge Wehr endlich ihr Können unter Beweis stellen und erste Erfahrungen sammeln, als im Kaufhaus Theis ein Innenbrand aus­brach. Größere Schäden am Gebäude konnten abgewendet werden, die mehr oder weniger beschädigten Waren mussten in einem Ausverkauf umgesetzt werden. Wenig später konnte Brandmeisterstellvertreter Albert "anhand des Festprogramms einen ein­gehenden Bericht über den Feuerwehrtag in Rödelheim erstatten, verbunden mit einer Geräteausstellung. Nach den Ausführungen des Kameraden Albert waren es nicht nur sehr anregende, sondern auch vergnügte Stunden, die er in Gesellschaft der Kameraden aus allen Teilen unserer Provinz verlebte", wie das Protokoll vom Juli 1909 ver­zeichnet. Noch in der gleichen Sitzung erhielt die Versammlung auch Kenntnis von den Aufnahmeverhandlungen mit der Winkeler Musikkapelle. Die Anwesenden zeigten sich "begeistert" und gaben einstimmig ihr Einverständnis. "Die Musiker haben sich den Vereinsstatuten in jeder Hinsicht zu unterwerfen", wurde sogleich schriftlich festgelegt, "mit der alleinigen Ausnahme, dass sie Übungen nicht beizuwohnen brauchen. Die Feuerwehr gewährt der Kapelle eine dreimonatige Ausbildung auf ihre Kosten. Während dieser Zeit soll dann ein Urteil darüber gewonnen werden, wie sich die Musik entwickelt" - selbstverständlich in festlichem Rahmen. Die offizielle Gründung der Feuerwehrkapelle wurde am 20. Juli 1909 vollzogen.

Am 21. Januar 1911 feierte man dann auch erstmals den Geburtstag "Sr. Majestät unseres Kaisers und Königs im Kreise der Wehr". Zu diesem Fest waren auch "die Mitglieder, zum Teil mit ihren Damen, erschienen, was künftig mehr befolgt werden soll", wie Schriftführer Wagner feststellt, "damit auch die Frauen einmal etwas von dem Verein hören und sehen, dem ihre Männer alles opfern." Wagner vergaß auf dieser Kaisergeburtstagsfeier auch nicht den doppelten Dank an den Herrscher, einmal "für das leuchtende Vorbild an gewissenhafter Pflichterfüllung, dann für die besondere Huld, die er den Feuerwehren durch die Stiftung der Feuerwehrdienstauszeichnung bewiesen habe". Kein Wunder, dass die Anwesenden begeistert in das Hoch auf Sr. Majestät einstimmten, das der Bürgermeister ausbrachte, zumal er außerdem noch "ein schönes Würstchen mit Kraut zu dem Freibier der Wehr" stiftete. Wen könnte es überraschen, dass bei solchen Veranstaltungen, "um die Zeit, wenn die Frühmesse beginnt, sich der letzte Rest des schönen Festes nach Hause schlich".Am Weißen Sonntag, dem 23. April, desselben Jahres konnte die noch junge Feuerwehr sich zum ersten Male bei einem größeren Schadfeuer bewähren, als der Dachstuhl eines zur Chemischen Fabrik Winkel gehörenden Gebäudes in Flammen stand.

Dann kam das Brandjahr 1912, in dem die Feuerwehr Winkel gleich drei Großbrände zu bekämpfen hatte. In der Nacht zum 5. März stand in der heutigen Hauptstraße das Anwesen Derstroff im Vollbrand. Hier gab es nichts mehr zu retten, es blieben nur rauchende Trümmer übrig. So musste sich die Feuerwehr darauf beschränken, eine Ausbreitung auf das St. Josefshaus zu verhindern, denn dessen Kapelle hatte schon Feuer gefangen, konnte aber gerettet werden. Nur zwei Monate später, am 13. Mai, brach morgens in der Bäckerei Naß Feuer aus, von dem auch das benachbarte Anwesen Dezius erfasst wurde. Als sich der Abend niedersenkte, war von den beiden Häusern nur noch Schutt und Asche übrig. Kurz vor Weihnachten brach gegen Mitternacht ganz in der Nähe der Pfarrkirche Feuer aus. Auch hier konnte nur die Ausbreitung des Brandes verhindert werden, und auf dem Weg zur Christmette gingen die Winkeler wieder an einem verkohlten Trümmerhaufen vorbei. Die nächsten beiden Jahre verliefen ruhig, bis die Ereignisse im August des Jahres 1914 ihre Schatten auch auf das Örtchen Winkel warfen

1914 - 1945: Kriegswirren

Am 1. August läuteten die Glocken Sturm - der Erste Weltkrieg brach aus. Die anfänglich allenthalben zu vernehmende Euphorie über das Kriegsabenteuer wich schnell bitterer Ernüchterung. Auch Kameraden der Winkeler Feuerwehr zogen hinaus in den Weltenbrand, um im Dienst für ihr Vaterland ihre Pflicht zu erfüllen. Zeitweise wird der Brandschutz nur noch von acht in der Heimat verbliebenen Kameraden aufrechterhalten. Das Vereinsleben kam nahezu zum Erliegen; von 1914 bis 1919 fanden nur acht Veranstaltungen einschließlich aller Generalversammlungen statt. Das Protokoll hielt einen Brand in Winkel fest, zwei in Mittelheim. Nach vier schicksalsschweren Jahren aber läuteten endlich die Friedensglocken und heimwärts zogen die geschlagenen deutschen Soldaten; doch mancher fehlte. Fünf Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Winkel kehrten nicht mehr vom Schlachtfeld zurück in die Heimat. Ihnen wurde anlässlich des 15-jährigen Stiftungsfestes am 5. September 1920 auf dem Friedhof zu Winkel im stillen Gedenken eine Gedächtnistafel gewidmet. Am 20. März 1920 veranstaltete die Feuerwehr ein Benefizkonzert zugunsten Not leidender Kinder Winkels. Kam. Andreas Kilian, seit Gründung der Feuerwehr 1. Kommandant, hatte die Wehr nicht nur durch die Kriegsjahre geführt, er zeichnete auch für den Wiederaufbau verantwortlich. Im August 1919 jedoch übergab er aus Altersgründen die Führung der Feuerwehr an Kam. Ernst Schwank. Aus Dankbarkeit für seine Verdienste wurde Kam. Andreas Kilian zum Ehrenkommandanten und damit zum ersten Ehrenmitglied der Wehr ernannt. Lange schon war es ein Wunsch der jungen Feuerwehr gewesen, ihre Ideale auch sichtbar nach außen zeigen zu können. Endlich, im Frühjahr 1922 konnte zum Preis von 5.500 Reichsmark eine Vereinsstandarte angeschafft werden Sie zeigt auf der Vorderseite das Winkeler Wappen, von Reben umrankt, auf purpurnem Grund, und auf der Rückseite das Abbild eines Feuerwehrmannes auf türkisem Grund. Eingefasst wird das Abbild von dem, in großen goldenen Lettern gehaltenen Wahlspruch der Feuerwehr: "Einer für Alle, Alle für Einen".

Kam. Ernst Schwank musste 1925 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als 1. Kommandant niederlegen. Erneut übernahm Ehrenkommandant Kam. Andreas Kilian diese Aufgabe kommissarisch. Im Dezember des gleichen Jahres wurde das Gasthaus Weber mit großer Mehrheit zum Vereinslokal bestimmt. "Unser Vereinswirt stiftete" dann wenig später "ein schönes Tischbanner, gleichfalls ein Fass Bier", vermerkt dazu der Chronist Theo Söngen und fügt an: "Zweiter Kommandant Freimuth sprach im Namen der Wehr besten Dank aus und forderte die Beschenkten auf, ein kräftiges, »Gut-Schlauch« auf das Wohl des Spenders auszubringen." Am 17. November 1926 wurde mit Kam. Josef Wengel ein neuer 1. Kommandant gefunden. War schon im August 1926 zum ersten Mal über die Anschaffung einer leistungsfähigen Motorspritze diskutiert worden, so taucht das Thema zwei Jahre später, im August 1928, erneut auf, diesmal mit der Bemerkung, die Gemeinde wegen einer Anschaffung anzusprechen. Im April 1929 konnte dann bekannt gegeben werden, dass die Wehr eine Eingabe an den Gemeinderat vollzogen habe, in der sie die Dringlichkeit einer neuen Feuerspritze darlegte. Allerdings war man "aufgrund der schweren wirtschaftlichen Lage" bereit, auf eine Motorspritze notfalls zu verzichten und sich stattdessen mit einer guten Saug- und Druckspritze zu begnügen, vor allem auch, dass das Spritzenhaus nicht für eine moderne Motorspritze geeignet sei. Für ihre Verdienste um die Feuerwehr Winkel wurden die Kameraden Bernhard Schönwetter, Bernhard Albert und Adam Marsula zu Ehrenmitgliedern ernannt. Somit hatte die Wehr Ende 1929 vier Ehrenmitglieder sowie 66 aktive und 61 inaktive Mitglieder. Im Übrigen bestand während dieser Jahre in Winkel parallel zur Freiwilligen Feuerwehr eine Pflichtfeuerwehr!

Im Februar 1929, einem bitterkalten Wintermonat, brach in Mittelheim Feuer in dem Landrat Dr. Mülhens gehörenden Haus aus. Aus den umliegenden Gemeinden kamen die Feuerwehren, um zu helfen. Die Freiwillige Feuerwehr Winkel war als erste am Brandherd und wurde dafür von der Nassauischen Brandkasse mit einer Prämie von 40 Reichsmark belobigt. Die klirrende Kälte ließ das Wasser in den Schläuchen gefrieren, so dass es mühsam vom Rhein herbeigeschafft werden musste. Ein Jahr später, am 7. Februar 1930, brach in der Sakristei der Winkeler Pfarrkirche Feuer aus. Dem beherzten Eingreifen einiger Anwohner und dem schnellen Einsatz der Feuerwehr Winkel war es zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert werden konnte.

Am 28. und 29. Juni 1930 konnte die Freiwillige Feuerwehr Winkel ihr 25-jähriges Jubelfest feiern. Doch es ist kein rauschendes Fest. Die Festschrift hielt fest: "So feiert die Freiwillige Feuerwehr Winkel, geläutert durch die Geschehnisse der Zeit, ihr Silbernes Vereinsjubiläum. Ernst sind die Stunden, die Zukunft liegt grau verhüllt vor unseren Blicken, und auf dem deutschen Volke lastet der Druck des verloren gegangenen Krieges. Aus diesem Grunde hat der Jubelverein die Feier dem Ernste der Zeit angepasst." Es war das Jahr, in dem die letzten Besatzungstruppen das Rheinland verließen, und das Jahr, in dem die Chemische Fabrik Winkel mit fast 600 Arbeitsplätzen geschlossen wurde. Nicht nur für die Bevölkerung, auch für die Feuerwehren waren dies Jahre des harten Ringens um die Existenz.

Wie sehr alle in jenen Jahren unter der wirtschaftlichen Krise litten, geht aus dem Beschluss hervor, vorläufig keine Feste benachbarter Wehren zu besuchen, "da die allgemeine Notlage dieses nicht mehr erlaubt". Kam. Eberhard Gerstadt wurde beauftragt, gemeinsam mit arbeitslosen Kameraden die Hydranten instand zu halten. Da für die Anforderung der Motorspritze Oestrich für eine Übung 15 RM erhoben wurden, wurde auf die Herbstübung 1931 mit derselben aus Kostengründen verzichtet. Sogar der traditionelle Neujahrsball fiel 1931 aus, und eine Schreibmaschine, die 1930 in einem Anfall von Euphorie angeschafft worden war, wurde ein Jahr später zum Preis von 100 RM wieder verkauft - allerdings unter Abzug einer Reparatur von 3,50 RM, wie der gewissenhafte Schriftführer vermerkt.

Am 1. April 1931 wird das Gründungsmitglied Kam. Peter Wieger zum Ehrenmitglied ernannt.

Zwei Jahre später begann das dunkelste Kapitel in der Geschichte Deutschlands; auch das der Freiwilligen Feuerwehr Winkel. Zweifelsohne gab es, wie überall in der Gesellschaft, in ihren Reihen sowohl Täter als auch Mitläufer und es gab Opportunisten genauso wie Opfer. Rasch verstanden es die braunen Machthaber in jenen Monaten, alle Bereiche des öffentlichen Lebens gleichzuschalten. Auch die Vereine und Verbände ließen sich mehr oder minder bereitwillig instrumentalisieren - auch die Feuerwehr Winkel. Sie folgte der Einladung des Bürgermeisters zu einer nationalen Feier anlässlich der ersten Eröffnung des Reichstages nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, an der alle Winkeler Vereine einen Fackelzug mit anschließender Kundgebung abhielten; die Feuerwehrkapelle eröffnete diese mit einem "Lobet den Herrn" und beschloss sie mit dem Deutschlandlied - welch ein Abstieg. Wie schnell auch die Feuerwehr Winkel vom neuen Zeitgeist erfasst wurde, zeigt ein Zeitungsbericht vom 15. Mai 1933 über die tags zuvor stattgefundene Jahreshauptversammlung, zu der "wegen der großen Bedeutung, welche dieser Versammlung zugrunde liegt" alle Kameraden dringend eingeladen wurden. Ganz neue Töne klangen hier an. In längeren Vorträgen wurde darauf verwiesen, dass sich der deutsche Feuerwehrverband sich einmütig hinter die neue nationale Regierung gestellt habe. Weiter wurde ausgeführt, die Freiwilligen Feuerwehren seien mehr als alle anderen Verbände mit der neuen nationalen Regierung verbunden, deren oberster Grundsatz "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" sei. Weiterhin sei "gerade die freiwillige Feuerwehr durch ihre Prinzipien mit dem Nationalsozialismus, dem Träger unserer heutigen Staatsmacht, verbunden und verwandt." Zur Bekräftigung und zum Zeichen "einmütigen Bekenntnisses zur nationalen Regierung wurde das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied gesungen" und "mit einem dreifachen Sieg-Heil auf die neue Regierung und den Führer Adolf Hitler bekräftigt" - die Nationalsozialisten hatten nach der Machtergreifung keine vier Monate gebraucht, um die Feuerwehr Winkel unter ihre Kontrolle zu bringen. Eine Wende fürwahr in der Vereinsgeschichte!

Noch im gleichen Monat wurde per "Dringlichkeitsantrag", wie das Protokoll meldet, die Forderung eingebracht, "zum äußeren Zeichen der engen Verbundenheit einen schwarz-weiß-roten Wimpel mit dem Hakenkreuz an das Vereinsbanner anzuheften". Dem Dringlichkeitsantrag wurde stattgegeben. Teilnahme an so genannten "Deutschen Abenden& mit Schlageter-Kult oder an "belehrenden und zugleich abwechslungsreichen" Veranstaltungen der Organisation "Kraft durch Freude" wurden ebenso Teil des Vereinslebens wie die Teilnahme an Sonnwendfeiern und anderen Veranstaltungen am "Nationaldenkmal auf dem Niederwald". Auch der Reichsluftschutzverband, zusammen mit der Gas- und Luftschutzschule, meldete sich, und schon im August folgte eine erste Luftschutzübung auf dem Sportplatz am Rhein. Am 9. November 1933 wurden "sämtliche Kameraden aufgefordert, sich, samt wahlberechtigten Angehörigen, an der Volksabstimmung und Reichswahl zu beteiligen. Anbei eine Karte, die jeder Kamerad im Wahllokal dem Vertrauensmann abzugeben hat. Unsere Wehr wird am Sonntag kontrollieren, ob sich auch sämtliche Kameraden an der Volksabstimmung beteiligen." Am 8. März 1934 war die Gleichschaltung abgeschlossen, als den Vorständen aller Winkeler Vereine "anheim gegeben wurde, ihre Mitglieder zum Eintritt in die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt aufzufordern. Unsere Wehr wird dieser Aufforderung selbstverständlich nachkommen."

Am 6. Juni 1934 schied Kam. Josef Wengel wegen Erreichens der Altersgrenze aus seinem Amt als Wehrführer aus. Zum neuen Wehrführer wurde Oberbrandmeister Josef Lay ernannt. Der Gemeindeschulz, Dr. Hager, übergab ihm die Wehr mit der Aufforderung, sie "zu einem brauchbaren Instrumente im Sinne des neuen Staates zu gestalten", und der Kreiswehrführer Karl Koch referierte über "die neuen Grundlagen und Ziele der freiwilligen Wehren, die nichts mehr mit dem früheren Vereinswesen zu tun" hätten. Auch der neue Wehrführer schwor die Kameraden auf den Nationalsozialismus ein - und diese stimmten begeistert zu. Er unterrichtete die Kameraden ebenfalls über die Umstrukturierung der Freiwilligen Feuerwehren, die nunmehr in Feuerlöschpolizeibehörden eingegliedert wurden. Schnell wurde die Sprache deutlicher: Übungen und Appelle wurden zur Pflicht gemacht, selbst wenn sie, wie am 15. Juli 1934, sonntags morgens um 5 Uhr stattfanden: "Wer unentschuldigt fehlt oder verspätet eintrifft, beweist, dass er den Geist der neuen Zeit nicht versteht. [...] Ich erwarte vollzähligen Besuch, straffe Disziplin und würde es bedauern, für unentschuldigtes Fernbleiben Strafen ansetzen zu müssen. Die Vereidigung der Kameraden findet vor dem Appell statt." Es überrascht nicht, dass zwischen Juli und September des Jahres 1934 ein halbes Dutzend Austritte aus den verschiedensten Gründen zu verzeichnen waren. Offenbar waren nicht alle willens, dem neuen Zeitgeist zu folgen.

Eine interessante Episode aus jenen Jahren, die ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis von Wehr und Partei wirft, ist der Erlass des Ministers des Inneren vom 15. August 1934. Es heißt dort: "Im Interesse der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren ist es unerwünscht, dass Feuerwehrmänner oder Feuerwehrführer gleichzeitig auch Mitglieder der SA oder SS sind, da durch die doppelte Inanspruchnahme die Dienstfreudigkeit der Feuerwehrmänner erheblich leidet. Ich ordne hiermit an, dass in Zukunft kein Mitglied einer anerkannten Berufs- oder freiwilligen Feuerwehr mehr Mitglied der SA oder SS sein darf. Feuerwehrmänner haben unverzüglich ihren Austritt aus SS oder SA zu erklären. Die Meldungen sind schriftlich zu erstatten." Bereits eine Woche später kam die Antwort: "Die SA-Männer in der Wehr erklären zu dieser Aufforderung, dass ihnen von den Führerstellen mitgeteilt worden sei, die Feuerwehr habe nichts zu sagen, und ehe sie von der SA keine Anweisung bekämen, sollten sie nichts unternehmen."

Ab 1934 wurden die Dokumente spärlicher und beschränkten sich schließlich auf wenige Einladungen zu Konzerten, Familienabenden, Erntedankfesten, Aufmärschen und Appellen, die heute nur noch aus jenem Zeitgeist heraus verstanden werden können. Ab März 1935 wurden von allen Kameraden Verpflichtungserklärungen abverlangt, in denen sie Gehorsam und Treue geloben mussten. Weiterhin existieren noch einigen Ausgabescheine für Dienstkleidung aus den Tagen unmittelbar vor Kriegsausbruch und eine Mitgliederliste von 1940. Ab 1937 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges sind ansonsten keinerlei Dokumente oder Protokolle erhalten geblieben. Darüber, ob keine angefertigt wurden, ob sie in den Kriegswirren verloren gingen oder ob sie nach dem Ende der Diktatur aus nahe liegenden Gründen vernichtet wurden, kann nur spekuliert werden.

Die Kameraden der Winkeler Wehr waren während der Kriegsjahre nach Bombenangriffen beim Luftschutz unter anderem in Rüdesheim, Darmstadt und Mainz eingesetzt. Andere hatten, fern der Heimat, nicht das Glück, nach Hause zurückzukehren. Heute noch hängt im Eingang der Winkeler Pfarrkirche eine Ehrentafel zum Gedenken an die Gefallenen Winkels und zur stillen Mahnung der Lebenden. Daher ist - und bleibt - die Teilnahme am Volkstrauertag fester Bestandteil im Vereinsleben der Freiwilligen Feuerwehr Winkel.

1945 - 1970: Wiederaufbau

In den Jahren nach 1945 begann im Herzen Europas der Wiederaufbau aus den Trümmern - auch für die Freiwillige Feuerwehr Winkel unter ihrem neuen Ortsbrandmeister Kam. Eberhard Gerstadt und seinem Stellvertreter Kam. Andreas Heibel. Er konnte schon 1946 über die Gründung des neuen Kreisverbandes berichten und feststellen, dass den "Feuerwehren der vereinsmäßige Charakter" zurückgegeben wurde und sie künftig wieder ihre Fahne in der Öffentlichkeit tragen könnten.

Am 1. Oktober 1945 konnten zum ersten Mal seit 1942 wieder neue Mitglieder aufgenommen werden; gleich dreizehn an der Zahl. Nach vielen leeren Seiten findet sich der erste Eintrag im Protokollbuch wieder am 16. Januar 1946. Der wichtigste Beschluss dieser Sitzung war sicherlich das 40-jährige Gründungsfest, das im Jahr zuvor wegen der Kriegsereignisse nicht stattfinden konnte, mit einem einfachen Kameradschaftsabend nachzuholen. Die offizielle Wiederbegründung des Vereines datiert vom 12. Mai 1946, als die erste ordentliche Mitgliederversammlung nach dem Kriege den zunächst nur provisorisch gebildeten Vorstand im Amt bestätigte. Auch auf organisatorischer Seite musste Wiederaufbau betrieben werden. Am 16. Mai 1947 wurde die erste Satzung nach dem Krieg verabschiedet.

1948 konnte ein Tragkraftspritzenanhänger angeschafft werden. In den beiden Folgejahren 1949/50 wurden zudem neue Uniformröcke bestellt. Im gleichen Zeitraum erwähnt das Protokoll zum ersten Mal eine Jugendgruppe, zu deren Leiter Kam. Hans Freimuth bestimmt wird. In die gleiche Zeit fiel auch die Indienststellung des damals als modern geltenden Tanklöschfahrzeuges TLF15. Angesichts der finanziell schwierigen Nachkriegszeit war dies ein ausgesprochener Glücksfall für die Feuerwehr Winkel, denn es handelte sich dabei um ein nur kurz gebrauchtes Fahrzeug der Landesfeuerwehrschule. Kam. Peter Gietz war es zu verdanken, dass dieses Fahrzeug den Weg nach Winkel fand, wo es, liebevoll "Emma" gerufen, bis Anfang der siebziger Jahre wertvolle Dienste leistete.

Schon seit 1932 war es das Bestreben des Vereins gewesen, endlich ein Spritzenhaus zu errichten. Zu Beginn waren die Gerätschaften an mehreren Standorten verteilt, später dann im ehemaligen Rathaus, das jedoch aus allen Nähten platzte. Als dieses 1945, kurz vor Ende des Krieges, auch noch zerstört wurde, spitzte sich die Unterbringungssituation zu. Dankenswerterweise stellte Jakob Hamm einen Teil seines Anwesens übergangsweise als Unterkunft für die Feuerwehr zur Verfügung; doch dies konnte nur ein Notbehelf sein. Dies sollte sich ändern, obwohl die öffentlichen Kassen so kurz nach Kriegsende leer waren. Daher schritt die Winkeler Feuerwehr zu Selbsthilfe und begann mit dem Bau eines Feuerwehrhauses am Kerbeplatz.

Am 29. März 1951 fand die Grundsteinlegung statt. Bereits 6 Monate später, am 29. September 1951, fand die feierliche Einweihung statt. Dieses Feuerwehrhaus sollte für knapp fünf Jahrzehnte der Mittelpunkt des Geschehens um die Freiwillige Feuerwehr Winkel sein. Vom 30. Juli bis zum 1. August 1955 konnte die Freiwillige Feuerwehr Winkel ihr Goldenes Jubiläum feiern. Die Anwohner hatten zu diesem Ereignis die Straßen mit Fahnen und Birkengrün geschmückt - ein deutliches Zeichen der Verbundenheit aller Winkeler mit ihrer Wehr.Es war die Zeit, in der man begann, wieder zuversichtlich nach vorn zu schauen. Das Jahr 1956 ist den Rheingauern durch den bitterkalten Winter in Erinnerung geblieben, in dem Vater Rhein von Februar bis März zugefroren war - da war so mancher zu Fuß zur Fastnachtsfeier von Ingelheim gekommen. Am 15. März 1956 wurde Kam. Karl-Heinz Altlay Ortsbrandmeister, musste dieses Amt jedoch nur 5 Monate später nach einem Unfall niederlegen. Ihn löste am 4. August 1956 Kam. Peter Gietz ab. Gleichzeitig wurde Kam. Eberhard Gerstadt angesichts seiner Verdienste um den Wiederaufbau der Feuerwehr und des Vereines nach dem Kriege zum Ehrenortsbrandmeister ernannt. Im Mai 1957 konnte das während der Wintermonate selbstgebaute LF8 mit Waldbrandanhänger in den Dienst übernommen werden. In dieser Zeit trat erstmalig ein Phänomen zutage, das bis heute die Feuerwehren sorgt. Obwohl das Mitgliederverzeichnis 1960 rund 50 aktive Mitglieder umfasste, standen wegen außerörtlicher Berufstätigkeit immer weniger Feuerwehrleute für den Einsatzdienst während der Tagstunden zur Verfügung. 1962 wendete sich Bürgermeister Meder in einem Aufruf an die Winkeler Bürger und ersuchte alle männlichen Einwohner, die sich tagsüber in der Gemeinde aufhalten, der Freiwilligen Feuerwehr beizutreten, da sonst der Brandschutz nicht mehr gewährleistet sei. Er wies darauf hin, dass die Gefahr einer Katastrophe nicht auszuschließen sei, wenn man sich auf Berufs- und Pflichtfeuerwehren aus der Nachbarschaft verlassen müsse, die oft schon durch die weiten Anfahrtswege nicht rechtzeitig genug eingreifen könnten. Er schloss dabei auch die Aufstellung einer Winkeler Pflichtfeuerwehr als letzten Schritt nicht mehr aus. Erst die Einführung von Funkalarmempfängern über 10 Jahre später konnte diese Situation etwas entspannen. In diesem Jahr nahm die Wehr auch zum ersten Mal an den Feuerwehrwettkämpfen mit ihrem Löschfahrzeug teil und errang mit 1164,25 Punkten den hervorragenden vierten Platz im Regierungsbezirk Wiesbaden. Sie schaffte eine Leistung, die weit über den Landesdurchschnitt hinausreichte, der bei 1074,8 Punkten lag, und erhielt die vom Hessischen Minister des Inneren gestiftete Teilnehmerplakette.

Die Jahre 1963/64 blieben durch eine Reihe von spektakulären Großbränden in Erinnerung. So rückte die Wehr im März 1963 zur Bekämpfung des Feuers im Spänesilo der Firma Polster-Richter aus; im Juli mussten zwei Waldbrände, einmal am Kaiserberg und drei Tage später auch am Birkenkopf, bekämpft werden. Durch Brandstiftung wurden der Kirchturm und die Turnhalle in Oestrich zerstört, ebenso wie wenige Wochen später, am 23.1.1964, das Graue Haus, das älteste bewohnte Steinhaus Deutschlands. Am 16. Februar 1964 wurde Kam. Hans Freimuth zum Ortsbrandmeister gewählt.Ein Jahr später, 1965, zeigten die intensiven Bemühungen um geeigneten Nachwuchs erste Erfolge. Unter der Leitung des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Werner Braun wird die erste Jugendabteilung gegründet. Die Mitglieder konnten durch Werbung in den Oberklassen der Winkeler Volksschule, die Schüler zwischen 12 und 14 Jahren umfasste, gewonnen werden. Die Gruppe wurde bis zur Übernahme in die Einsatzabteilung betreut.Das Konzept war so erfolgreich, dass es bis Ende 1970 mehrfach wiederholt wurde; danach beschloss man die Gründung einer Jugendfeuerwehr.

Am 8. August 1965 hält die Chronik ein weiteres wichtiges Ereignis fest. Mit der feierlichen Einsegnung durch Pfarrer Helsper und der Schlüsselübergabe durch Bürgermeister Meder konnte ein neues, vollwertiges LF8 auf Opel Blitz zum damaligen Neupreis von 30.000 DM in Dienst gestellt werden.Es folgte eine Schauübung mit dem neuen Fahrzeug, dazu waren sämtliche Geräte und Fahrzeuge der Wehr zur Besichtigung ausgestellt.

Der "Tag der offenen Tür" bewies die Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der Winkeler Feuerwehr. Brandobjekt war dabei das Feuerwehrgerätehaus. Der Rhein lieferte das Wasser. Gleichzeitig wurde ein großes Schlauchboot für den Hochwassereinsatz in Dienst gestellt. Das nächste Jahr, 1966, brachte dann die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches: die drei ersten Atemschutzgeräte konnten angeschafft werden. Die Kosten teilten sich die Wehrkasse, die Gemeinde und die Firma Polster-Richter. Hinzu kamen ein gestifteter Pritschenwagen Marke "Tempo", der in Eigenleistung zum Allzweckfahrzeug umgebaut wurde, und eine neue Magirus TS 8/8. An Einsätzen ragte die Hilfe bei der Unwetterkatastrophe in Rüdesheim hervor, die die Mitglieder der Wehr drei Tage beschäftigte. Ortsbrandmeister Kam. Peter Gietz, der seit 1945 dem Vorstand der Wehr angehörte, wurde einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt.

Eine in diesen Jahren sehr beliebte Alternative zum Besuch der Landesfeuerwehrschule in Kassel war die "Fliegende Feuerwehrschule", die auch von den Winkeler Kameraden gern in Anspruch genommen wurde. Damit war endlich auch eine flächendeckende Ausbildung der Feuerwehrleute gesichert. Um die Alarmsituation in der Gemeinde zu verbessern, konnten 1969 neue Sirenen montiert werden; die Anzahl der Alarmauslösestellen wurde auf 5 erhöht und diese modernisiert.

1970 - 1995: Moderne Zeiten

Das Ende der 60er und der Anfang der 70er Jahre brachten einen gewaltigen gesellschaftlichen Wandel mit sich. Emanzipation, Studentenproteste, Friedensbewegung und Außerparlamentarische Opposition waren die Stichworte dieser Zeit. Diese Ereignisse spiegelten sich auch in der Geschichte der Feuerwehr Winkel wider. In diesen Jahren fand aber auch ein grundlegender Wandel in den Herausforderungen an die Feuerwehren statt. Neben der Brandbekämpfung trat immer mehr auch die technische Hilfeleistung in den Vordergrund des Einsatzgeschehens. Dies zeigte sich in der Hochwasserkatastrophe entlang des gesamten Rheines im Februar 1970 ebenso wie im ersten großen Gefahrguteinsatz der FF Winkel. Am 7. September 1970 wurden die Winkeler und Mittelheimer Feuerwehren zu einem Säureunfall auf dem Bahnhof Mittelheim gerufen. Aus einem überfüllten Kesselwagen lief hochgefährliche Salpetersäure aus. Mit Unterstützung der Werksfeuerwehr Koepp konnte das Leck zunächst unter Chemieschutzanzügen und schwerem Atemschutz abgedichtet werden. Der Überdruck im Kessel führte aber wenige Stunden später zu einer weiteren Leckage. Zuständigkeitsprobleme, mangelnde Erfahrung mit Gefahrstoffen und das Fehlen eines Gefahrgutunfall-Managements führten zur Beinahe-Katastrophe, als das Auslaufen der Säure außer Kontrolle geriet. Mit Mühe und Not und der Unterstützung der Werksfeuerwehren Kalle, Koepp, BASF und der Berufsfeuerwehr Wiesbaden konnte jedoch Schlimmeres verhindert und Schaden von der Bevölkerung abgewendet werden.

Unter dem Eindruck dieses Einsatzes wurde daher 1971 aus der Vereinskasse ein weiteres Atemschutzgerät angeschafft. Weitere Kameraden wurden zu Atemschutzgeräteträgern ausgebildet, und zum ersten Mal wurde ein Atemschutzgerätewart bestellt. Ein außerordentlich erfolgreiches Kapitel in der Geschichte der Winkeler Wehr wurde am 1. Mai 1971 mit der Gründung einer Jugendfeuerwehr aufgeschlagen. Erster Jugendwart wurde Kam. Alfred Horlaville. 1972 wurde die Jugendfeuerwehr Winkel gemäß den Statuten des Deutschen Feuerwehrverbandes ordnungsgemäß angemeldet. 1972 begann auch endlich die Ausstattung der Winkeler Feuerwehr mit Funk, was einen entscheidenden Fortschritt in der Einsatzführung bedeutete. Am 1. Juli desselben Jahres griff die Gebietsreform in Hessen auch im Rheingau, was einen bedeutenden Wandel mit sich brachte: die Gemeinden Winkel, Mittelheim und Oestrich wurden zur Stadt Oestrich-Winkel zusammengeschlossen. Damit hieß die Feuerwehr nun "Freiwillige Feuerwehr Oestrich-Winkel - Stadtteil Winkel". Am 12. Juli 1972 wurde Kurt Nemec zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt. Im gleichen Sommer fand das erste Zeltlager der Jugendfeuerwehr Winkel statt, das bald schon zur Tradition wurde. Das Jahr 1972 blieb aber auch mit einem Großfeuer in der Möbelfabrik Polster-Richter am 16. Oktober in Erinnerung. In einem Lagerraum direkt unter der Hallenbedachung hatten sich große Mengen Schaumstoff entzündet und schwelten unter Rauchentwicklung, die ein Vordringen zum Brandherd erschwerten. Erst als die Dachhaut durchgebrannt war, konnte das Feuer direkt von den Feuerwehren aus Oestrich-Winkel, Geisenheim und Rüdesheim sowie der Werksfeuerwehr Polster-Richter bekämpft werden; dabei bewährte sich die neue Rüdesheimer Drehleiter.

Die Gründung der Stadt Oestrich-Winkel schlug sich auch in einer gemeinsamen Stadtsatzung für die Feuerwehren, die am 20. Februar 1973 verabschiedet wurde, und in der Wahl des ersten Stadtbrandinspektors nieder. Die früheren Ortsbrandmeister der Teilgemeinden wurden von nun an unter dem Titel "Wehrführer" geführt.

Diese Neuausrichtung des Feuerwehrwesens stellte auch die Frage nach der Eigenständigkeit der Feuerwehrvereine. Es wurde hervorgehoben, dass jede Feuerwehr, unabhängig von ihrer organisatorischen Eingliederung, als eigener Verein weiter besteht. Daher prüfte die Feuerwehr Winkel bereits 1973 die Eintragung ins Vereinsregister. Der Antrag wurde vom Amtsgericht Rüdesheim mit dem Hinweis, dass eine Feuerwehr kein eingetragener Verein sein könne, abschlägig beschieden. Offenbar hatte die Bedeutung der Vereine für die finanzielle Unterstützung der Feuerwehren und für das gesellschaftliche Leben sich noch nicht in den Gesetzestexten niedergeschlagen.

Der 23. Juni 1973 ist ein weiterer großer Augenblick in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Winkel. Nachdem das altgediente TLF15 den modernen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde, konnte ein neues Tanklöschfahrzeug TLF16/25 feierlich eingeweiht werden. Als Frontlenker mit selbsttragendem Aufbau auf geländegängigem Allrad-Fahrgestell, einem Kunststoff-Wassertank und einer automatischen Feuerlöschkreiselpumpe stellte es eine vielbewunderte technische Neuheit dar. Allerdings zeigte sich dies auch in seinen Ausmaßen. Die bisherigen Bogentore des Gerätehauses waren zu klein, es musste extra hierfür ein Tor vergrößert werden. Die Einweihung fand im Rahmen eines Tages der offenen Tür statt, der so erfolgreich war, dass man beschloss, von nun an jährlich einen solchen durchzuführen - der Tag der offenen Tür wurde für die Feuerwehr und die Bevölkerung Winkels zur lieb gewonnenen Tradition. Die ersten großen Bewährungsproben erlebte das Fahrzeug ausgerechnet bei zwei der tragischsten Einsätze in der Geschichte der Winkeler Feuerwehr. In den Abendstunden des 19. Oktober 1973 kommt es aufgrund menschlichen Versagens zu einem tödlichen Unfall am Bahnübergang Kirchweg. Der Schrankenwärter hatte die Schranken versehentlich zu früh geöffnet. Ein Zug aus der Gegenrichtung erfasste ein Auto und schleifte es 500 Meter vor sich her. Der Fahrer konnte aus dem unter der Lokomotive eingeklemmten, völlig zerstörten Wrack nur noch tot geborgen werden. Am 30. Januar 1974 ereignete sich um die Mittagszeit eine Familientragödie. In der Barackensiedlung am Nord-West-Rand Winkels brach Feuer aus, eine der Baracken brannte innerhalb kürzester Zeit vollständig nieder. Der Feuerwehr blieb nicht viel mehr als die traurige Aufgabe, eine 34­jährige Mutter und ihre beiden Zwillingssöhne tot aus den Ruinen zu bergen. Man spekulierte über Selbsttötung. Schon am 4. Mai 1974 kam es zum nächsten spektakulären Einsatz. "Brand in Winkeler Lackfabrik" lautete das Einsatzstichwort. Es brannte ein Lager für Nitrozellulose-Lacke. Nicht nur, dass von diesem Gefahrstoff im Brandfall allein schon eine große Gefährdung durch giftige Gase ausgeht, auch die Nähe der übrigen chemischen Anlagen der Fabrik, eine in unmittelbarer Nachbarschaft gelegene Möbelfabrik und eine Tankstelle, sowie die Nähe zum engbebauten Ortskern, machten den Brandherd zu einem brisanten Einsatzobjekt. Die Feuerwehren von Winkel, Oestrich und Mittelheim konnten gemeinsam Schlimmstes verhindern.

1973 war die Feuerwehr Winkel dem Kuratorium für das neue "Winkeler Wein- und Rosenfest" beigetreten, das erstmalig an Pfingsten 1974 auf dem Kerbeplatz stattfand. Viele Jahre prägte dieses ausgesprochen erfolgreiche Fest das gesellschaftliche Leben Winkels und des gesamten Rheingaus. Am 26. Mai 1976 konnte der Jugendfeuerwehr-Schulungsraum bezogen werden. Die Stadt hatte der Feuerwehr Räumlichkeiten im ehemaligen Kindergarten am Kerbeplatz überlassen, die in Eigenregie renoviert worden waren. Der Raum war zugleich Sitzungssaal des Vorstandes. Später wurde er zum Schulungs- und Versammlungsraum der gesamten Feuerwehr. Noch heute denken die Kameraden liebevoll an viele schöne Stunden in diesem Raum zurück, der später, im Jahre 2004, einem Großbrand zum Opfer fiel. Der Sommer 1976 war aber auch von einer Waldbrandserie geprägt, die vielen Winkelern in Erinnerung blieb. Zwischen dem 30. Juli und dem 6. September hat die Einsatzstatistik nicht weniger als 17 Waldbrände zu verzeichnen, manchmal sogar zwei pro Tag. Die freiwilligen Einsatzkräfte gingen in dem heißen Sommer bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Die gute Zusammenarbeit mit der Werksfeuerwehr Polster-Richter, die ebenfalls über ein Tanklöschfahrzeug verfügte, brachte etwas Entlastung. Ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte der Feuerwehr Winkel kam am 25. Oktober 1976. Die Gleichberechtigung für Frauen drang endlich auch in die Feuerwehren vor. Mit Heidi Okaty, Waltraud Freimuth, Inge Nemec und Hildegard Allendorf wurden die ersten weiblichen Mitglieder in die Feuerwehr Winkel aufgenommen. Möglich wurde dies durch einstimmigen Vorstandbeschluss, ebenso wie die Gründung einer aktiven Frauenabteilung. Mit der Wahl von Kam. Kurt Nemec zum Wehrführer und Vorsitzenden am 2. Dezember 1977 gab es auch in der Führungsebene einen personellen Wandel. Sein Stellvertreter wird Kam. Hermann Allendorf.

1978 wird aus Vereinsmitteln ein gebrauchter VW-Bus erworben und in Eigenleistung zum Mannschaftstransportwagen umgebaut. Im gleichen Jahr werden erstmalig die neuen Ärmelabzeichen "Freiwillige Feuerwehr Oestrich-Winkel - Winkel" mit Winkeler Wappen ausgegeben. Auch die heute noch bekannten, nachtleuchtend lackierten Helme wurden eingeführt, welche die alten schwarzen Helme ablösten. Die Neueinkleidung wurde 1979 komplettiert durch die neuen, blauorangenen Einsatzanzüge, die das Bild der Feuerwehren lange Zeit prägten. Der Anschaffungspreis von DM 158,10 je Anzug wurde damals vom Land Hessen bezuschusst. Am 28. Oktober 1978 leistete die Feuerwehr Winkel beim Großbrand des Kunststoff-Verarbeiters KI-SI-CO in Mittelheim Löschhilfe. Nur 14 Tage später erschütterte eine laute Detonation den Ort - offenbar war durch Manipulation der Erdgasanschluss der Gaststätte "Haus am Strom" zur Explosion gebracht worden. Glücklicherweise kam es nur zu Sachschaden.

Das Jahr 1980 brachte das 75-jährige Stiftungsfest, das vom 24.-26. Mai 1980 festlich begangen wurde. Bei verschiedenen Festrednern klang die Freude darüber an, dass trotz der kürzlich vollzogenen Gebietsreform die Feuerwehren in den vier Stadtteilen als eigenständige Einheiten und Vereine erhalten werden konnten.

Am 27. Juni 1980 wird Hans-Georg Weinfurter stellvertretender Wehrführer und stellvertretender Vorsitzender. Im Dezember desselben Jahres wurde mit den beim Jubiläumsfest erwirtschafteten Gewinnen und gesammelten Spenden ein gebrauchter Mercedes-Benz Post-Transporter ersteigert, der im Anschluss in Eigenleistung zum Gerätewagen mit Waldbrandausrüstung als Ersatz für den bisherigen GW Marke Ford Transit und den Waldbrandanhänger ausgebaut wurde. Insgesamt hatte man hierfür rund 7.000 DM investiert. Die Sorgen um den teilweise veralteten Fuhrpark waren damit nicht vollständig behoben. Bereits 1982 kündigten sich erste Mängel am LF8 an, 1985 wurde es gar durch den Technischen Prüfdienst als mangelhaft eingestuft. Deshalb begann man mit der Beantragung eines neuen LF8, aber es dauerte noch bis Ende 1986, bis dieses endlich ausgeliefert werden konnte.

Am 23. Juli 1983 kam es erneut zu einem Großbrand in der Lackfabrik Vogt & Franke. Auch dieses Mal konnte Schlimmeres verhindert werden. Am 10. März 1984 übernimmt Kam.Rainer Kaufmann die Ämter des Stellvertreters für den Wehrführer und den Vereinsvorsitzenden. Im August 1985 wurden am Gerätehaus moderne Falttore angebracht, welche die alten Holztore ersetzten. Dabei wurden gleichzeitig die Einfahrten aller Fahrzeugboxen vergrößert.

Im Laufe des Jahres 1986 war die Feuerwehr Winkel bei mehreren Bränden bei der Fa. Koepp in Oestrich eingesetzt. Das zuvor beantragte neue Löschgruppenfahrzeug LF8 konnte schließlich im Dezember 1986 in Dienst gestellt werden. Das geländetaugliche Fahrzeug war aus damaliger Sicht mit modernster Technik ausgerüstet, unter anderem auch mit einer neuen, leichten Tragkraftspitze TS8/8 Marke Rosenbauer Fox. Auch die sonstige Beladung war nagelneu und entsprach dem neuesten Stand der Technik. Die Feuerwehr Winkel steuerte einen beachtlichen Betrag zur Finanzierung dieser Ausrüstung bei. Das Fahrzeug wurde im Rahmen eines Tages der offenen Tür am 9. Mai 1987 feierlich eingeweiht. Die Jugendfeuerwehr hatte aus diesem Anlass die Einsatzabteilung zu einer Wettkampf-Übung eingeladen, die allen Beteiligten sichtlich viel Spaß bereitete und die viele Schaulustige auf das Festgelände anlockte. Bleibt zu erwähnen, dass die Jugendfeuerwehr gewann. Zusammen mit dem neuen LF8 wurde auch ein neuer Mannschaftstransportwagen eingeweiht. Dabei handelte es sich um ein Gebrauchtfahrzeug Typ VW Caravelle, das zuvor als Taxi benutzt wurde. Auch dieses wurde aus Vereinsgeldern erworben und umgebaut. Das Jahr 1988 blieb den Rheingauern mit einem weiteren Jahrhunderthochwasser in Erinnerung. Nach einem "Vorhochwasser" im Februar, das bereits als überdurchschnittlich bezeichnet werden konnte, kam Anfang März die außerordentlich starke Hochwasserwelle. Die Schäden entlang des Rheines gingen in die Millionen und die Hilfsdienste waren zum Teil über Wochen ununterbrochen im Einsatz. Der Feuerwehr Winkel gelang es unter enormer Anstrengung, das historische Graue Haus vor Schäden zu bewahren. Luftbilder aus diesen Tagen lassen es wie eine Insel in den Fluten anmuten, obwohl es tiefer als seine Umgebung liegt. Durch Bretterstege war es sogar möglich, in dieser Zeit den Betrieb des noblen Restaurants aufrecht zu erhalten. Für die Gäste bot sich so ein ganz außergewöhnliches Spektakel. Der damalige Inhaber dankte der Feuerwehr mit einer großzügigen Einladung zu einem mehrgängigen Menü.

1989 gelang es der Feuerwehr Winkel endlich, den Status eines eingetragenen, gemeinnützigen Vereines zu erlangen. Dem waren mehrere Satzungsänderungen und zähes Ringen mit den zuständigen Behörden und Gerichten vorangegangen. Im gleichen Jahr wurden zur Erhaltung der Bausubstanz von der Feuerwehr umfangreiche Renovierungsmaßnahmen am Gerätehaus durchgeführt. Ebenfalls 1989 konnte die Indienststellung eines neuen Gerätewagens gefeiert werden. Es handelte sich um ein gebrauchtes, geländegängiges Tanklöschfahrzeug TLF16/25 von Klöckner-Humboldt-Deutz mit Magirus-Aufbau aus dem Jahre 1962. Trotz seines schon beträchtlichen Alters war es technisch in gutem Zustand, da es aus Beständen der aufgelösten Werksfeuerwehr Polster-Richter stammte, wo es nur wenig in Anspruch genommen worden war. Ausgerüstet mit verschiedenen Gerätschaften war es in Kombination mit dem Wassertank eine wertvolle Ergänzung gerade bei Bränden im weitläufigen Oestrich-Winkeler Forst. Zusammen mit dem Fahrzeug konnte ein gebrauchter Leichtschaumanhänger erworben werden. Für den Kauf wurden über 10.000 DM aus der Vereinskasse investiert.

Das Jahr 1990 kündigte sich mit heftigen Unwettern an. Im Laufe des ersten Halbjahres fegten mehrere "Jahrhundertstürme" übers Land. Einer davon führte am 9. Mai zur Unwetterkatastrophe in Erbach/Rh., das von einem gewaltigen Erdrutsch aus einem Weinberg überspült worden war. Dabei waren auch Todesopfer zu beklagen. Auch die Feuerwehr Winkel beteiligte sich an den Aufräumarbeiten. Insgesamt kosteten die Unwetter etliche Einsatzstunden bei widrigsten Witterungsbedingungen. Am 28. März 1990 blieb den Einsatzkräften der Brand in der Werkstatt des Autohauses Weber in Erinnerung, bei denen die Farbspraydosen den Einsatzkräften förmlich "um die Ohren flogen". Am 11. Juni 1990 ging ein großer Geräteschuppen samt eingestellter Landmaschinen in der Gutsverwaltung von Brentano in Flammen auf. Zu einem eher ungewöhnlichen Einsatz kam es 1992: ein Hund war in einem 20 Meter langen Abflussrohr unter der B42 verschwunden. Erst nach dreistündigen gemeinsamen Bemühungen von Feuerwehr und Kanaldienst - einschließlich "Kanal-TV" - konnte das Tier aus seiner misslichen Lage befreit werden. Der nächste Großbrand war am 11. Juli 1993 zu verzeichnen. Durch elektrischen Kurzschluss eines Fernsehers gingen die Mietwohnungen und der Dachstuhl über der Gaststätte Batolome, ehemals Rheineck, in Flammen auf. Drei Bewohner konnten über Leitern aus den Flammen gerettet werden. Der Kneipier bedankte sich für die Rettung seines Lokals später mit wohlschmeckendem "Brandbier".

Auf den Tag genau ein Jahr später rückte die Feuerwehr Winkel zu ihrem nächsten größeren Einsatz aus. In den späten Abendstunden des 11. Juli 1994 brach ebenfalls infolge elektrischen Kurzschlusses im Saunabereich des Fitnessstudios AFC ein Schwelbrand aus. Aufgrund der guten Wärmeisolierung der Sauna kamen die Feuerwehrleute bei der Brandbekämpfung im wahrsten Sinne des Wortes "ins Schwitzen". Aus demselben Grund entstand eine starke Rauchentwicklung, die das Lokalisieren des Brandherds sehr schwierig gestaltete. Bis man sich dorthin vorgearbeitet hatte, war das Feuer bereits in die Dachbalkenkonstruktion des ehemaligen Fabrikgebäudes vorgedrungen.

1995 - 2005: Fit fürs nächste Jahrtausend

Das letzte Jahrzehnt in der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Winkel ist wiederum von einigen tief greifenden Wandeln geprägt. So wie sich im Vorfeld des "Millenniums" alles fiebernd auf den Wechsel ins neue Jahrtausend vorbereitet hat, so ist auch die Feuerwehr Winkel zu neuen Ufern aufgebrochen. Begonnen hat dies am 27. Mai 1995, als zum 90-jährigen Jubiläum eine neue Vereinsstandarte mit einem Festgottesdienst eingeweiht wurde. Diese ist eine exakte Kopie der schon betagten ersten Fahne von 1922, die sich sicher verwahrt nunmehr im Ruhestand befindet.

Am 28. Oktober 1995 ist ein spektakulärer Großbrand zu verzeichnen. Was als Kleinfeuer nach Verpuffung durch unsachgemäße Reparaturmaßnahmen an einem PKW begann, breitete sich innerhalb weniger Minuten zu einem Vollbrand der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Mühle am Elsterbach in der Hauptstraße aus. Einer der Hausbewohner hatte an seinem im Schuppen neben dem Gebäude abgestellten Fahrzeug hantiert und dabei Benzindämpfe entzündet. Bei der Verpuffung wurde er schwer verletzt und der Schuppen geriet in Brand. Aufgrund der Bauweise und der gelagerten Materialien breitete sich das Feuer rasend schnell aus und griff auf das Wohngebäude über, das vollständig niederbrannte.

Am 27. April 1996 wurde Kam. Hermann Weinfurter stellvertretender Wehrführer und stellvertretender Vorsitzender. Im gleichen Jahr konnte an Pfingsten die Jugendfeuerwehr Winkel ihr 25-jähriges Bestehen feiern. An den ausgerichteten Wettkämpfen beteiligten sich 13 Jugendfeuerwehren mit über 130 Teilnehmern.

Ebenfalls 1996 wurde die Indienststellung eines Fernmeldefahrzeuges auf Basis eines VW Transporters gefeiert. Das Neufahrzeug im Gesamtwert von über 60.000 DM, das mit umfangreicher Fernmeldetechnik ausgestattet ist, wurde komplett aus dem Vereinsvermögen finanziert. Ein lang ersehntes Ereignis fand am 23. Juni 1997 statt. Unter Beisein von Prominenz aus Politik und Feuerwehrwesen wurde mit dem feierlichen Spatenstich durch Wehrführer Kam. Kurt Nemec und Bürgermeister Paul Weimann der Baubeginn für das neue Feuerwehrhaus eingeläutet. Lange Jahre der Planung sind dem Bau vorangegangen. Bereits 1991 entstanden erste Ideen für einen Neubau am ehemaligen Standort am Kerbeplatz im Zuge des geplanten neuen Hauses der Vereine. Diese Planungen scheiterten jedoch aus verschiedenen Gründen, und so musste nach neuen Alternativen für den Standort gesucht werden. Die Wahl fiel schließlich aufdie Kirchstraße in der Nähe des Sportplatzes. Unter Einbringung einer großen Eigenleistung durch die Feuerwehr wurde von der Fa. Schwabenhaus die neue Unterkunft errichtet, und im März 1998 konnte die Feuerwehr Winkel mit "Tatütata" ins neue Heim umziehen. Die feierliche Schlüsselübergabe durch die Stadt Oestrich-Winkel fand schließlich am 29. April 1998 statt. Endlich verfügte die Feuerwehr Winkel über moderne Räumlichkeiten mit ausreichend Stellplatz für Fahrzeug und Gerät, Werkstätten, Umkleideräumen mit sanitären Einrichtungen, großzügigen Schulungsräumen und einem Büro.

Dann kam der Jahrtausendwechsel. Überall stellten Hilfsorganisationen und Behörden Krisenstäbe und Einsatzgruppen bereit, um im Falle von Problemen bei der Umstellung auf die neue Jahreszahl vorbereitet zu sein. So auch eine Gruppe der Feuerwehr Winkel, die Silvester mit Selters statt Sekt im Feuerwehrhaus verbrachte. Der befürchtete "Y2K"-Crash blieb allerdings aus, der Jahrtausendwechsel ging reibungslos vonstatten. Stattdessen begann das neue Jahrtausend mit einem tödlichen Verkehrsunfall in der Neujahrsnacht, zu dem auch die Feuerwehr Winkel ausrücken musste. Ein weiteres einschneidendes Ereignis war die Verabschiedung einer neuen Vereinssatzung am 11. März 2000 durch die Mitgliederversammlung. Nach über einjähriger Vorbereitungszeit wurde eine moderne Vereinssatzung umgesetzt, die erstmals eine vollständige Trennung zwischen der Organisation Feuerwehr und dem Verein "Freiwillige Feuerwehr Winkel 1905 e.V." brachte.

Am gleichen Tag kam es auch zum Generationenwechsel in Wehrführung und Vereinsführung. Nach Erreichen der Altersgrenze für den aktiven Feuerwehrdienst schied der leider viel zu früh verstorbene Kam. Kurt Nemec als Wehrführer aus und stellte auch das Amt des Vereinsvorsitzenden den jüngeren Generationen zur Verfügung. Damit ging eine Ära zu Ende, wenngleich er noch bis zu seinem frühen Tod im Oktober 2002 die Alters- und Ehrenabteilung im Feuerwehrausschuss vertreten hat. Für seine Verdienste in fast 24 Jahren als Wehrführer und Vereinsvorsitzender und in der Vorstandsarbeit in den Jahren davor wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Mit ihm wurden ebenfalls für jahrzehntelange Vorstandsarbeit Kam. August Charisse und der ausscheidende Kassenwart, Kam. Josef Weis, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Nachfolger von Kam. Kurt Nemec wurde Kam. Hermann Weinfurter, sein Stellvertreter in beiden Ämtern wurde Kam. Rainer Kaufmann.

Im Jahr 2001 stand schon der nächste Einschnitt in der Geschichte an. Nach langen Jahren der Verhandlungen und Planungen konnte endlich die Ersatzbeschaffung für das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 bestellt werden. Am 24. November 2001 fand in einer kleinen Feierstunde die Schlüsselübergabe durch die Stadt Oestrich-Winkel statt. Das Fahrzeug ist nach den modernsten Aspekten der Brandbekämpfung, der Technischen Hilfeleistung und der Arbeitssicherheit konzipiert und ist damit in der Lage, sich heutigen und künftigen Herausforderungen im Einsatzdienst zu stellen. Es handelt sich um ein geländegängiges Fahrgestell Typ Mercedes-Benz Atego mit einem Aufbau der Firma Ziegler. Auch hier beteiligte sich die Vereinskasse an der Ausrüstung und Aus­stattung des Fahrzeuges.

Das noch diensttaugliche Vorgängerfahrzeug wurde von der Stadt Oestrich-Winkel der Partnerstadt Tokaj überlassen und durch Kameraden der Feuerwehr Winkel an seine neue Wirkungsstätte überführt. Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde das neue Fahrzeug dann am Pfingstsonntag 2002 eingesegnet. Am 20. November 2002 rückten die Feuerwehren der Stadt in die Schwarzgasse nach Winkel zu einem Wohnhausbrand aus. Trotz der Unübersichtlichkeit des Brandobjektes konnte Schlimmeres verhindert werden. Das Jahr 2002 brachte auch Änderungen im Erscheinungsbild der Feuerwehr. Zum einen konnte die Ausstattung der Einsatzabteilung mit den seit einigen Jahren verfügbaren neuen Brandschutzanzügen abgeschlossen werden, wodurch die Sicherheit der Einsatzkräfte erheblich verbessert werden konnte. Zum anderen wurden die bisherigen Uniformen "eingemottet", da sie nicht mehr den Vorschriften entsprachen. Daher entschloss man sich, möglichst die gesamte Einsatzabteilung auf die neue, moderne Dienstkleidung umzustellen. Allerdings fehlten in den öffentlichen Kassen die Mittel für einen solchen Schritt. Daher entschloss sich der Verein Feuerwehr Winkel, eine Spendensammelaktion zur Unterstützung der Neuanschaffung durchzuführen, die so erfolgreich war, dass man im Juli 2002 die neuen Uniformen der Öffentlichkeit bei einer kleinen Feierstunde im Park der Schlosses Vollrads vorstellen konnte. Im Jahr 2002 begannen auch die Planungen für das 100-jährige Stiftungsfest. Man beschloss, neue Wege zu gehen und Ressourcen zu vereinigen, indem man das Fest gemeinsam mit der Nachbarwehr aus Mittelheim feiern wird, die im gleichen Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiern kann. Im Dezember des gleichen Jahres gab es noch eine Neuerung. Die Katastrophenschutzbehörden des Landkreises Rheingau-Taunus trugen der Stadt Oestrich-Winkel die Unterstellung eines gebrauchten Löschgruppenfahrzeuges LF16-TS an. Da nur in Winkel genügend Platz vorhanden war, wurde beim Feuerwehrausschuss Winkel diesbezüglich angefragt. Man stimmte zu. Der sich im Besitz des Vereins befindliche, mittlerweile in Ehren ergraute Gerätewagen wurde an einen Sammler für Feuerwehroldtimer veräußert, um Platz in der Fahrzeughalle zu schaffen. Der Erlös aus dem Verkauf des GW wurde als Grundstock für ein in näherer Zukunft angedachtes Jugendfeuerwehr-Fahrzeug bestimmt. Dieses kam schneller als erwartet. Der Mannschaftstransportwagen, der ebenfalls von der Jugendfeuerwehr Winkel mitgenutzt und mitfinanziert wurde, verunfallte im Oktober 2003 unverschuldet. Dank der Rücklagen aus dem Verkauf des GW konnte zusammen mit der Versicherungsleistung im Jahre 2004 ein gebrauchter VW Bus erworben und in Eigenleistung umgebaut werden.

Seit dem Sommer 2003 kam es in Winkel und Umgebung immer wieder zu kleineren und mittleren Brandstiftungen durch unbekannte Täter. Waren diese Taten schon feige genug, hätte sich beinahe eine davon zur tödlichen Katastrophe ausweiten können. In der Nacht zum 21. Juli 2004 wurde im Schuppen des ehemaligen Kindergartens am Kerbeplatz Feuer gelegt. Das leer stehende Gebäude wurde vom DRK als Lagerraum benutzt. Zuvor befand sich dort auch der frühere Schulungs- und Versammlungsraum der Feuerwehr. Die enge Bauweise und die gelagerten Materialien führten zu einer rasanten Brandausbreitung.

Der ehemalige Kindergarten brannte vollständig aus, das benachbarte, denkmalgeschützte "Leinreiterhaus" wurde durch Feuer und Löschwasser schwer beschädigt, ebenso das hinter dem ehemaligen Kindergarten gelegene Wohnhaus einer Familie. Der Hauseigentümer bemerkte den Brand durch Zufall und konnte sich mit seiner schwangere Frau und deren kleinen Sohn sowie seiner Mutter auf die Straße retten, bevor ihr Haus Opfer der Flammen wurde. Es war dies eines der größten Schadfeuer in der Geschichte Winkels. Die Betroffenheit über das Schicksal der Familie, die durch diesen feigen Akt obdachlos geworden war, lies die Menschen in Winkel zusammenrücken. Zahlreiche Spenden gingen ein, und auf dem Kerbeplatz wurde im Schatten der zerstörten Häuser von Winkeler Vereinen ein Benefizkonzert durchgeführt, an der zahlreiche Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Nur drei Wochen später, am 12. August 2004, kam es in der Stadt Oestrich-Winkel gleich zum nächsten Großbrand. Wiederum durch Brandstiftung wurde die Gaststätte Rheinterrassen Schwed in Oestrich ein vollständiger Raub der Flammen.