Stromausfall – Die unterschätzte Gefahr!

Aufgrund des europäischen Verbundnetzes hat sich die Stromversorgung in Deutschland und europaweit zwar verbessert, dennoch kann es, wie im November 2006 bei der Abschaltung eines Stromkabels über die Ems geschehen, zu europaweiten regionalen Stromausfällen kommen.

Der durch plötzlichen Wintereinbruch Ende 2005 bedingte tagelange Stromausfall im Münsterland, hat deutlich gezeigt, dass es auch Ereignisse geben kann, die umfangreiche Infrastrukturen der Stromnetzbetreiber zerstören können. Die erforderlichen Reparaturen hatten Stromausfälle von mehreren Tagen zur Folge.

Hinzu kommt, dass sich durch die Abschaltung der Kernkraftwerke das Risiko für einen Stromausfall erhöht hat. Katastrophenschützer haben diesbezüglich bereits Warnungen über die Möglichkeit längerer Stromausfälle in Deutschland bekannt gegeben.

Die Bundesnetzagentur sieht durchaus diese Gefahr. Dies vor allem bei Flaute im Winter, wenn der Stromverbrauch hoch ist, aber kein Windstrom zur Verfügung steht. Auch die Netzbetreiber warnen vor Blackouts.

Vom Strom hängt Vieles ab. Im ersten Augenblick denkt man bei den meisten Dingen gar nicht, dass eine Abhängigkeit vom Strom besteht, wie z.B. Pumpen für die Wasserversorgung oder die Zapfsäulen bei den Tankstellen, Heizung, Kühlung, Telefon, Handy, sonstige Kommunikationsgeräte … und, und, und …

Stellen Sie sich daher auf Folgendes ein:

  • Beleuchtung: Elektrisches Licht, Signalanlagen etc. fallen aus. Ebenso elektrische Rollladenantriebe. Wenn es abends dunkel wird, bleibt dies so bis zum Sonnenaufgang. Als Lichtquelle funktionieren nur noch Kerzen, Taschenlampen, Petroleum- oder Campinglampen etc.
  • Wärme: Die Heizung, Lüftung bzw. Klimaanlage fällt aus, Elektroheizungen aber auch Öl- und Gas-Zentralheizungen haben ohne elektrischen Strom keine Steuerung, keinen Zündfunken und keine Umwälzpumpe.
  • Wasser: Bei Wasserversorgungsnetzen, die durch Pumpen betrieben werden, kann es zu Problemen kommen. Bei einem längeren Stromausfall fallen Trinkwasseraufbereitung und Abwasserentsorgung mit Pumpen aus.
  • Kochen: Elektroherd, Mikrowelle, Kaffeeautomat, Wasserkocher funktionieren ohne den elektrischen Strom nicht.
  • Lebensmittel: Lebensmittel werden im Kühlschrank nicht länger gekühlt und können bei einem längeren Stromausfall zum Verzehr nicht mehr geeignet sein. Lebensmittel in Gefriertruhen bleiben bei guter Isolierung nur 1-2 Tage noch eingefroren. Dies allerdings nur, solange Sie die Tür nicht öffnen.
  • Kommunikation: Mobilfunk (Handynetze), Telefon-Festnetz sowie Computer und Internet stehen bei längeren Stromausfällen nur eingeschränkt oder gar nicht zur Verfügung.
  • Nachrichten: Rundfunk, Fernsehen und Radio funktionieren nicht. Als Kommunikationsquelle funktionieren unter Umstanden nur noch batteriebetriebene Geräte.
  • Mobilität: Ampeln, Aufzüge, Skilift, Seilbahn oder Parkhausschranken fallen aus.
  • Treibstoff: Die meisten Tankstellen haben weder einen Stromerzeuger, noch eine Einspeisevorrichtung für einen Stromerzeuger. Ohne Strom lässt sich der Kraftstoff nicht von den unterirdischen Tanks zu den Zapfsäulen pumpen.
  • Geld: Hardware und Geldautomaten von Banken sind meistens nicht funktionsfähig. Zudem sind Banken beim Finanzverkehr oft auf die Computertechnik angewiesen.
  • Einkaufen: In Supermärkten und Geschäften wird es aufgrund automatischer Türen sowie ausgefallener Kassen, Waagen, Gefriertruhen etc. zu Problemen kommen.
  • Gesundheit: Notwendige medizinische Geräte, die oft auch zu Hause benutzt werden müssen, fallen aus. Im Bereich der häuslichen Pflege fallen Hilfsgeräte aus, die möglicherweise lebenswichtig sind (z.B. Hausnotruf, Essen auf Rädern).
  • Sicherheit: Polizei und Sicherheitskräfte werden ggf. überlastet sein. Sicherheitsrelevante Systeme (wie der BOS-Funk, Radargeräte der Flugsicherung, Ampeln oder Signalanlagen der Eisenbahn) oder andere benötigen Strom zum Arbeiten.
  • Sonstiges: Einige besondere Einrichtungen, wie z.B. Krankenhäuser haben zwar unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), aber auch diese sind auf Treibstoff angewiesen, der ggf. nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht.

Was Sie als Vorsorge tun können und worauf Sie achten sollten:

  • Legen Sie einen Vorrat für ein bis zwei Wochen an, der aus Lebensmitteln und Getränken besteht, die auch ohne Kühlung länger lagerfähig sind und die bei Energieausfall auch kalt gegessen werden können.
  • Legen Sie sich einen Spiritus-, Trockenspiritus- oder Campingkocher für die Zubereitung kleinerer Mahlzeiten oder einen Grill mit Holzkohle zu.
  • Als Heizmöglichkeit können Öfen, die mit Kohle, Briketts oder Holz betrieben werden können, dienen. Bevorraten Sie hierfür ausrechend Brennstoffe. Über einen gewissen Zeitraum kann die Heizung meist durch warme Kleidung ersetzt werden.
  • Halten Sie für den Ausfall des elektrischen Lichts Kerzen, Taschenlampen, Petroleum- oder Campinglampen bereit. Denken Sie auch an entsprechende Vorräte an Kerzen, Brennstoffen, Ersatzbirnen für Taschenlampen, Gaskartuschen, Batterien und die Zündmittel (z.B. Streichhölzer, Feuerzeuge).
  • Legen Sie sich ein Rundfunkgerät mit UKW und Mittelwelle zu, das auch für Batteriebetrieb geeignet ist. Denken Sie auch hier an entsprechende Vorräte an Batterien. Akkus sind weniger geeignet, da sie in geladenem Zustand den gespeicherten Strom nicht lange genug halten, zudem müssen sie auch vollständig geladen sein. Ggf. kann auch das Rundfunkgerät im Auto genutzt werden.
  • Halten Sie Medikamente, insbesondere die regelmäßig eingenommen werden müssen, in ausreichender Menge vor. Zusätzlich empfehlen sich auch Erkältungsmittel, Fieberthermometer und weitere wichtige Mittel bereit zu halten. Alles, was ein DIN-Verbandkasten (nach DIN 13164 Blatt 2) enthält, von der Mull-Kompresse über Verbandschere, Wunddesinfektionsmittel, Pflaster, Binden, bis hin zum Dreiecktuch, empfiehlt sich auch für Ihre Hausapotheke.
  • Treffen Sie Vorkehrungen, um Ihre pflegebedürftigen Angehörigen notfalls für einige Zeit selbst zu pflegen.
  • Die meisten Elektrogeräte überstehen einen Stromausfall gut. Die Spannungsspitze, wenn der Strom wiederkehrt, kann sie jedoch schädigen. Zudem gehen vor dem Stromausfall eingeschaltete Geräte bei Wiederkehren des Stroms wieder in Betrieb (z.B. Herd, Ofen, Bügeleisen, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Heizdecken. Heizlüster). Schalten Sie diese Geräte daher aus bzw. ziehen Sie die Stecker aus den Steckdosen, wenn der Strom ausgefallen ist.
  • Bedenken Sie, dass beim Betrieb von gasbetriebenen Heiz- und Lichtquellen, Kerzen und dergleichen ein erhöhtes Brandrisiko aufgrund unsachgemäßen Umgangs mit diesen Geräten oder deren unbeaufsichtigtem Betrieb besteht. Daher sollten Rauchmelder in jedem Wohnraum installiert sein.
  • Die Anschaffung eines Stromaggregates zum Betrieb entsprechender Geräte (z.B. Wasserkocher, Kabellampe, Heizlüfter) ist zu empfehlen. Der Aufstellungsort ist aufgrund der giftigen Abgase des Verbrennungsmotors sorgfältig zu wählen (z.B. im Freien, Lärmbelästigung beachten). Empfindliche elektronische Geräte wie z.B. Steuerungsanlagen und Computer können, je nach Ausführung des Aggregates, Schaden nehmen. Beim Anschluss eines eigenen kleinen Notstromaggregates an das Hausnetz ist äußerste Vorsicht geboten. Der Anschluss hierfür darf nur von einer Elektrofachkraft eingerichtet werden und muss ggf. vom Stromnetzbetreiber genehmigt werden.
  • Bei der vorsorglichen Beschaffung von gasbetriebenen Heizquellen sollte darauf geachtet werden, dass Sicherheitsvorkehrungen wie z.B. eine Sauerstoffmangelsicherung bei dem Gerät vorliegen.
  • Darüber hinaus muss bei der Verwendung von offenen Flammen in Innenräumen, wie z.B. Kerzen und Gasflammen, auf eine ausreichende Lüftung geachtet werden.
  • Für den Notfall halten Sie Löschmittel bereit (z.B. Feuerlöscher, Wasserschlauch, Löschdecke).

Halten Sie sich über Informationen des behördlichen Krisenstabes und der Stromversorger auf dem Laufenden!

Bei Extremsituationen und bei Ausfällen dienen oft auch die Feuerwehrhäuser als Anlaufstelle im Notfall.