Styropor-Platten in Fassaden: Wärmedämmung kann Hausbrände verschlimmern

Millionen Häusern und ihren Bewohnern droht bei Feuer eventuell ein Desaster: Styropor-Platten zur Wärmedämmung sind extrem leicht entflammbar. Selbst die meisten Bauherren ahnen nichts von der tödlichen Gefahr.

Sie sollen die Wärme im Haus halten - aber sie können auch eine Katastrophe verursachen: Styroporplatten, die jährlich in Deutschland in Hunderttausende Häuser als Wärmedämmung eingebaut werden, wirken als Brandbeschleuniger.

Platten aus Polystyrol, besser bekannt als Styropor, kommen bei über 80 Prozent aller Wärmedämm-Einbauten in Häusern zum Einsatz. Sie sind besonders günstig und leicht zu verarbeiten.

Ein Brand-Experiment in der Materialprüfanstalt Braunschweig: Der Versuch entsprach einem simulierten Zimmerbrand. 160 Millimeter dicke Dämmplatten aus Polystyrol, geschützt durch Armierung, Putz und Anstrich, wurden dem Ernstfall ausgesetzt: Ein Brand unter einer Maueröffnung entflammte das sogenannte Wärmedämmverbundsystem (WDVS) eines Markenherstellers.

Das erschreckende Resultat: Zwanzig Minuten hätte die Dämmung den Flammen standhalten müssen. Doch sie fing so schnell Feuer, dass der Versuch bereits nach acht Minuten abgebrochen werden musste.

Erstaunen in der Prüfhalle

Am Boden unter der Versuchswand hatte sich ein Feuer aus brennend abtropfendem Polystyrol gebildet, und trotz der Abluftanlage breiteten sich große Mengen giftiger, schwarzer Rauchgase in der Prüfhalle aus. Uwe Zingler von der Feuerwehr Braunschweig musste den Brand mit seinem Team löschen. Sein Fazit: "Nach acht Minuten kann so eine Fassade schon gänzlich brennen und dann besteht die Gefahr, dass sich über die Fassade ein Dachstuhlbrand entwickelt".

Auch Bauherren sind ahnungslos

Der Hartschaum ist nach wie vor der mit Abstand am häufigsten verwendete Dämmstoff. Vielen Bauherren ist die Brennbarkeit von Polystyrol nicht bewusst, denn sie verlassen sich auf wissenschaftliche Tests: Die Brandsicherheit von WDVS mit Polystyrol wird im Rahmen des Zulassungsverfahrens mit Brandversuchen im Originalmaßstab geprüft. Durchgeführt werden die Experimente von der Leipziger Prüfungsanstalt für das Bauwesen und vom Materialprüfungsamt Nordrhein-Westfalen. Es ist kurios, aber rechtmäßig: Die Tests werden von den Herstellern der Dämmsysteme selbst beauftragt und bezahlt.

Bei Einfamilienhäusern sind Brandsperren überhaupt nicht vorgeschrieben. Bei Gebäuden mittlerer Höhe (7-22 Meter) indes müssen sie eigentlich über den Fenstern eingebaut werden - allerdings nur sofern die Polystyrol-Hartschaumplatten eine Dicke von 100 Millimetern überschreiten. Jedoch sei die Montage der Einzelstreifen besonders bei Fassaden mit vielen Fenstern zeit- und kostenintensiv, schreibt ein Dämmstoffhersteller auf seiner Internetseite.

Eine wesentliche Vereinfachung - ohne Abstriche bei der Brandsicherheit - biete aber der "umlaufende Brandriegel". Hierbei wird nach jeder zweiten Etage ein umlaufender, 20 cm breiter Riegel aus nicht brennbarer Mineralwolle verbaut. Damit gibt es aber jeweils ein ungeschütztes Zwischengeschoss, in dem ein Zimmerbrand auf die Fassade übergreifen kann.