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Fachempfehlung

des Fachausschusses Technik

der deutschen Feuerwehren

Fachempfehlung Nr. 2 vom 13. Februar 2012

Anforderungen an die Qualität von Druckschläuchen für die Feuerwehr

Das Problem

Die deutschen Feuerwehren verwenden zum weitaus überwiegenden Teil Druckschläuche der Klasse 1 nach DIN 14 811, also ohne eine äußere Gummibeschichtung. In den letzten Jahren sind besonders bei diesen Schläuchen zunehmend Defekte aufgetreten. Diese sind - nach derzeitigem Kenntnisstand - wohl vermutlich bedingt durch geänderte Fertigungsverfahren bei Schläuchen und Kupplungen. Impuls-Löschverfahren unter Nutzung von Hohlstrahlrohren mit einer Wasserabgabe von bis zu 400 ltr/min stellen zwar eine hohe Belastung des Schlauchmaterials dar, sind aber wohl nicht der wichtigste Grund für diese Probleme.

Da das Platzen des Schlauchs ein hohes Sicherheitsrisiko ist (zum Beispiel für den im Innenangriff vorgehenden Atemschutztrupp), hält es der Fachausschuss Technik der deutschen Feuerwehren für dringend geboten, den Feuerwehren Hinweise für die Beschaffung qualitativ guter Druckschläuche zu geben.

Dreifache Zwirnung

Die früher angewandte Methode, durch die Bestellung dreifach gezwirnter Druckschläuche eine bessere Qualität zu bekommen, führt heute nicht mehr eindeutig zu dem gewünschten Ergebnis.

Färbung

Die Farbe hat nach aktuellem Kenntnisstand auf die Qualität eines Schlauches keinen Einfluss. Da im Fertigungsverfahren geänderte Schläuche fast zeitgleich mit den signalfarbenen auf den Markt kamen, drängte sich der Eindruck auf, die Signalfarben hätten einen negativen Einfluss auf die Schlauchfestigkeit. Ursache ist aber nur eine veränderte Fertigungsqualität, unabhängig von der Farbe.

Die Lagerung in Schlauchtragekörben, besonders aber die Reinigung mit heißem Wasser (Wassertemperatur über +35°C) sowie die Reinigung und Prüfung in Trommel- bzw. Kompakt-Waschanlagen scheinen die Defektanfälligkeit deutlich zu erhöhen. Bei B-Druckschläuchen scheint dies besonders ausgeprägt zu sein, da diese seit der Normüberarbeitung längere Einbindestutzen haben müssen.

Nur bei Einbindedrähten aus Edelstahl ist sichergestellt, dass er bei Kontakt mit Schaummitteln nicht zur schnelleren Korrosion neigt. Gerade im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung der Verwendung von so genannten Class-A-Foam ist eine wirksame Schaummittelbeständigkeit, auch beim Einbindedraht, sehr empfehlenswert. Diese kann nach derzeitigem Stand aber nur durch Edelstahl-Einbindedraht erreicht werden.

Amtliche Prüfstellen

Der Entfall der amtlichen Prüfstellen vor einigen Jahren hat, so ist festzustellen, zu sehr unterschiedlicher Qualität geführt, was auch die Schlauchkupplungen betrifft. Daher müssen auch hier bei einer Beschaffung bestimmte Mindestanforderungen gestellt werden.

Derzeit wird angestrebt, bestimmte amtliche Prüfstellen wieder einzurichten.

Verhältnis zur gegenwärtigen Normung

Natürlich sind Druckschläuche, bei deren Konstruktion und Herstellung nur das Bestehen der normativ vorgeschriebenen Zulassungsprüfungen angestrebt wurde, unter Umständen deutlich billiger.

Neben den eingangs dargestellten Sicherheitsrisiken liegen aber auch Berichte von Feuerwehren vor, bei denen innerhalb eines Jahres 50 Prozent der normativ zulässigen, tatsächlich aber qualitativ minderwertigen Druckschläuche ausfielen. Daher ist die Beschaffung der notwendigen Schlauchqualität insgesamt auch kostengünstiger.

Anforderungen

Beschaffende sollten bei der Ausschreibung und dem Kauf von Druckschläuchen nach DIN 14 811 bei allen Klassen ergänzend die folgenden Anforderungen stellen:

  1. Garn: schrumpfarmes, hochfestes Polyestergarn
  2. Faden: Fadenstärke mindestens 1.100 dtex mit mindestens 192 Einzelfilamenten, Bruchfestigkeit dieses Fadens mindestens 70 N
    Anmerkung: Der dtex-Wert bezieht sich auf das Fadengewicht pro Länge.
  3. Anzahl der Kettfäden auf den Umfang, bestehend aus zwei (zweifache Zwirnung) bzw. drei (dreifache Zwirnung) einzelnen Fäden nach Nr. 2:
    • mindestens 133 bzw 111 Kettfäden bei Druckschläuchen C-42
    • mindestens 142 bzw 134 Kettfäden bei Druckschläuchen C-52
    • mindestens 220 bzw 181 Kettfäden bei Druckschläuchen B
  4. Anzahl der Zwirnungen pro laufenden Meter: 80+-10
  5. Für eine hohe mechanische Belastbarkeit wird ein dreifach gezwirnter Kettfaden empfohlen.
  6. Der tatsächliche Innendurchmesser des Druckschlauches sollte an der oberen Toleranzgrenze der DIN 14 811 sein.
  7. Kupplungen: Ausführung exakt nach DIN 14 302 (C) bzw. DIN 14 303 (B), Knaggenteile nur als Gesenkschmiedestück, Einbindestutzen komplett endbearbeitet mit abgerundeten Kanten im gesamten Bereich, der mit dem Schlauch in Kontakt kommen kann (betrifft auch Einbindedraht-Nuten)
  8. Stärke Innengummierung mindestens 0,8mm
  9. Einbindedraht aus Edelstahl

Packmaß

Die Druckschläuche der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich auch nach ihren Packmaßen. Besonders bei den C-Schläuchen muss daher geprüft werden, ob auch wirklich drei C-Schläuche des Herstellers in einen Schlauchtragekorb C passen. Dies kann der Besteller bei kleinern zu beschaffenen Mengen als Voraussetzung für das Angebot nennen. Bei größeren Bestellzahlen kann dies auch durch Muster geprüft werden, die mit dem Angebot abgegeben werden müssen.

Mit diesen Material- und Konstruktionsanforderungen ist sowohl bei zweifach- (2 x 1.100 dtex und 2 x 192 Einzelfilamente) als auch dreifach gezwirnten ( 3 x 1.100 dtex und 3 x 192 Einzelfilamente) Druckschläuchen eine Abriebfestigkeit und Kupplungsausführung gegeben, die den tatsächlichen Anforderungen in einem Einsatz entspricht. Übermäßige mechanische und thermische Beanspruchungen (Ziehen der Schlauchleitung durch Glasscherben und / oder Glut, herabfallende Dachziegel usw.) verträgt natürlich weiterhin kein Druckschlauch.

Erstellt wurde diese Information durch Christian Schwarze, Feuerwehr Stuttgart, in enger Abstimmung mit dem Fachausschuss Technik der deutschen Feuerwehren. Der Fachausschuss ist ein gemeinsames Gremium der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland (AGBF-Bund) und des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Ihr Kontakt:
Carsten-Michael Pix
Telefon: (030) 28 88 48 8-00
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